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Der durchschnittliche Banker an der Wall Street kassiert eine beträchtliche Summe an Boni


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    Schon im November hatte es sich angedeutet, nun haben es auch die Behörden bestätigt: Die Bonus-Saison fällt an der Wall Street 2015/16 dürftiger aus als in den Jahren zuvor. Weil die New Yorker Finanzbranche einen ordentlichen Gewinnrückgang hinnehmen müsse, kassiere der durchschnittliche Wall Streeter neun Prozent weniger Bonus, teilte der Rechnungsprüfer des Staates New York, Thomas DiNapoli, kürzlich mit. Hohe Prozesskosten und ein Rückgang im Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren hätten der Industrie zugesetzt.

    Zum Vergleich: Der durchschnittliche Wall-Street-Bonus der letzten dreißig Jahre beläuft sich auf 86.369 Dollar - dieser Marke nähert sich die aktuelle Bonusrunde nicht einmal ansatzweise an. Auch der gesamte Bonustopf ist mit 25 Milliarden Dollar um mehr als die Hälfte praller gefüllt als der Durchschnitt der letzten 30 Jahre (knapp 14,5 Milliarden Dollar).

    Abseits der aktuellen Zahlen liefert die Bonuskultur der vergangenen drei Jahrzehnte ein paar interessante Einblicke: Warum zum Beispiel haben viele Banker auch im Krisenjahr 2007 noch die zweithöchsten Pro-Kopf-Boni aller Zeiten kassiert? Wie stark hat die geplatzte Dotcom-Blase den Lebensstil der Wall Street in Gefahr gebracht? Eine Übersicht:

    Im Jahr nach der Dotcom-Blase schlägt die "New York Times" Alarm : "Der 4,3-Milliarden-Rückgang [des Gesamt-Bonus-Topfs] bedeutet, dass manche Investmentbanker sich eventuell nicht den neuen Jaguar ihrer Träume leisten können und dass ihre Ehefrauen möglicherweise keine Anhänger von Harry Winston in ihren Weihnachts-Socken finden werden."

    Der größere Schaden ereile allerdings die Stadt New York, schiebt das Blatt nach: Allerlei andere Berufe und Branchen, vom Taxifahrer und Pagen bis hin zum Antiquitätenhändler und Golftrainer, seien mehr oder weniger stark von Kunden aus der Finanzbranche abhängig; sie profitierten regelmäßig von der im Frühjahr einsetzenden Geldflut - oder eben auch nicht.

    CNN Money nennt 2006 ein "Aushänge-Jahr für Investmentbanken und andere Finanzunternehmen": Einige der größten Wall-Street-Banken hätten das bis dato beste Jahr ihrer Geschichte hingelegt, sagte der damalige Rechnungsprüfer Alan Hevesi: "Das bedeutet auch Rekorde bei den Boni und großartige Neuigkeiten für die Wirtschaft der Region." Der Staat New York, so die damalige Schätzung, könne aus dem prallgefüllten Bonustopf auf 1,6 Milliarden Dollar Steuereinnahmen hoffen, 500 Millionen gingen zusätzlich an die Stadt New York City.

    Heute wissen wir: Die damalige Bonus-Bonanza stieg auf einem Vulkan.

    Auf den ersten Blick erscheint es bizarr: Das Jahr 2007 gilt allgemein als Beginn der weltweiten Finanzkrise - und ihre Protagonisten kassieren trotzdem die zweithöchsten Boni in der Geschichte der Wall Street. "In einem Jahr, in dem Anleger beinahe die Hälfte ihrer Beteiligungen verloren haben, strengt es die eigene Fantasie ziemlich an, wie die Firmen immer noch so generös bezahlen können", zitiert die "Washington Post" damals den Investoren Michael Garland . "Wall-Street-Leute haben Derivat-Wertpapiere gebastelt, die größere Finanzmärkte destabilisiert haben - es ist schwer zu verstehen, warum irgendwer dafür bezahlt werden sollte."

    Die großen Banken hätten laut verschiedener Experten allerdings gar keine andere Möglichkeit gehabt, als weiterhin horrende Boni zu bezahlen: Abseits der Giftpapier-Geschäfte sei in vielen Divisionen noch gut Geld verdient worden - und die Banken seien immer stärker daran interessiert, ihre Top-Performer mit finanziellen Incentives bei sich zu halten. Goldman Sachs, das die Krise zunächst recht unbeschadet durchschritten habe, habe seinem CEO Lloyd Blankfein 67,9 Millionen Dollar obendrauf gezahlt.

    2008 schlägt die Krise jedoch voll durch: Die Finanzindustrie häuft Rekordverluste an, die Boni fallen so stark wie noch nie: "Der 44-Prozent-Abschlag wird durch die regionale Wirtschaft wogen und Staat und Stadt werden größere Steuereinnahmen verlieren", sagte damals Rechnungsprüfer DiNapoli. Wichtig sei nun vor allem, sicherzustellen, dass mit staatlichen, steuerfinanzierten Rettungsgeldern keine Boni bezahlt würden:

    "Jeder Groschen zählt, vor allem, wenn es Steuerzahler-Groschen sind. Der Steuerzahler muss wissen, ob seine Mittel benutzt wurden, um Firmenjets zu kaufen oder Dividenden und Boni zu bezahlen."

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    Author: Joshua Robinson

    Last Updated: 1702507921

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    Name: Joshua Robinson

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